Selbstbewusstsein

von | Jan 7, 2019 | Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein

selbst-bewusst-sein

Was bedeutet das eigentlich?

Den Begriff Selbstbewusstsein gebrauchen wir umgangssprachlich recht häufig. Und wir meinen sofort zu wissen, was mit Selbstbewusstsein gemeint ist.

Wenn wir danach gefragt werden, wie es um unser Selbstbewusstsein steht, dann sagen wir entweder „Ich habe ein gutes Selbstbewusstsein“, oder „Ich habe nicht so viel Selbstbewusstsein“. Die meisten tendieren eher zu letzterer Aussage.

Selbstbewusstsein steht also als Sammelbegriff dafür, ob wir uns in Bezug auf unsere Fähigkeiten sicher oder unsicher fühlen.

Wir glauben, dass wir so sind, wie wir über uns denken und legen dies unter dem Begriff Selbstbewusstsein ab.

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Selbst-bewusst-sein

Hinter dem Wort steckt aus unserer Wahrnehmung etwas ganz anderes: „Sich seines Selbst bewusst zu sein.“

Den Begriff Bewusstsein kann man auf unterschiedliche Weise betrachten.

Philosophisch gesehen, sind wir in dem Moment bewusst, in dem wir darüber nachdenken. Also jetzt 😊.

Medizinisch gesehen, bedeutet Bewusstsein: Wie wach bin ich?

Und in der Spiritualität ist es das Erwachen aus einem Leben als mentalem Konzept zu einem Dasein als ein undefiniertes Wesen.

Im englischen Sprachgebrauch wird Selbstbewusstsein mit self-consciousness übersetzt. Die Bedeutung im Englischen ist allerdings eine andere, als die, welche wir im Deutschen damit verbinden. Es bedeutet übersetzt zwar Selbstbewusstsein, aber mit dem Zusatz: nicht selbstsicher! Also unsicher! Der Begriff Selbstbewusstsein ist damit schon von vorn herein negativ belegt. Ich bin mir nur meiner Schwächen bewusst, nicht meiner Stärken.

Self-consciousness bedeutet demnach: Ich bin mir darüber bewusst, was ich alles nicht kann. Ich bin mir darüber bewusst, dass ich bei bestimmten Themen in meinem Leben unsicher bin.

Selbstbewusstsein, wie wir es verstehen, ist eine Bestandsaufnahme dessen, was ist. Eine Bestandsaufnahme meiner Situation und wo ich im Leben gerade stehe.

Und diese Bestandsaufnahme bezieht sich nicht nur auf das, was wir über uns denken, sondern auch auf das, was wir an Emotionen und Gefühlen in uns tragen sowie unser Körpergefühl. Jeden dieser Bereiche können wir uns bewusst machen.

Körper-bewusst-sein

Bevor du mit dem Lesen dieses Textes fortfährst, möchten wir dich zu einer kleinen Übung einladen.

Wenn du magst, dann stell dich einmal aufrecht hin. Wenn das nicht möglich sein sollte, dann geht die Übung auch im Sitzen.

Strecke einen Arm aus und klopfe nun mit der Hand des anderen Arms den ausgestreckten Arm ab. Beginne an deinem Handrücken und klopfe dich sanft, aber deutlich spürbar langsam ab, bis du an deiner Schulter angekommen bist. Wiederhole das Ganze in umgekehrter Reihenfolge, also von der Schulter bis zur Hand auf der Innenseite des ausgestreckten Armes. Mache das alles dann auch mit dem anderen Arm. Anschließend klopfst du über deinen Brustkorb und deinen unteren und oberen Rücken. Danach machst du das Gleiche mit deinen Beinen. Klopf sie ab von den Füßen bis zum Gesäß. Auf der Vor- und Rückseite. Und zum Schluss klopfe auch deine Fußsohlen ab.

Dann lass das Ganze wieder sein und spüre nach. Fühl dich. Wie fühlt sich dein Körper jetzt an? Kribbelt er vielleicht? Fühlt er sich angenehm warm an?

Und dann spüre dich einmal insgesamt. Deinen Körper von Kopf bis Fuß – alles auf einmal. Wie fühlt er sich jetzt für dich an?

Bist du dir deines Körpers jetzt bewusster als vor der Übung? Hat sich etwas verändert?

Du hast gerade eine Erfahrung gemacht. Die Erfahrung, dass du dir über deinen Körper bewusst geworden bist. Das ist Selbstbewusstsein – sich seines Selbst bewusst zu sein.

Jetzt, wo du mehr in deinem Körper angekommen bist, kannst du auch mit mehr Wachheit und Klarheit weiterlesen.

Vielleicht gelingt es dir jetzt sogar, dich mit deinem ganzen Sein auf den Text einzulassen.

Wissen ist nicht Selbst-Bewusstsein

Was wissen wir über unser Selbst? Jede Entwicklung in der Evolution ist mit einer Weiterentwicklung des Bewusstseins verbunden. Bewusstsein ist überlebensnotwendig. Es ist die Fähigkeit, sich seiner Umwelt bewusst zu sein und das Handeln entsprechend auszurichten.

Wenn wir uns nicht bewusst sind, dass auf der Straße Autos fahren, laufen wir Gefahr, dass wir, wenn wir diese überqueren, einfach überfahren werden. Bewusstsein gibt uns die Möglichkeit, nach beiden Seiten Ausschau zu halten und die Straße erst dann zu passieren, wenn kein Auto kommt.

Bewusstsein ist aber nicht etwas, das einfach so von allein stattfindet. Wir haben vielmehr die Wahl: Wir können uns für oder gegen das Bewusstsein entscheiden. Wir können ein Leben in geistiger Umnachtung führen oder wach durchs Leben gehen.

Selbst-Bewusstsein vs. Wissen

Ein gutes Beispiel ist die Sache mit dem Rauchen. Wir wissen umfassend über die gesundheitsschädigenden Faktoren des Rauchens von Zigaretten Bescheid. Mittlerweile gibt es auf jeder Zigarettenpackung bildliche Darstellungen von durch Tabak und Nikotin verursachten Erkrankungen. Die Darstellung der körperlichen Schäden kann beim ahnungslosen Kunden einer Tankstelle oder eines Supermarktes schon einmal einen Würgereiz auslösen, wenn er plötzlich mit diesen Bildern konfrontiert ist.

Und der Raucher selbst? Natürlich sieht auch er die Bilder. Und sein Verstand weiß ebenfalls um die eventuellen Folgen, aber dennoch ist er sich nicht vollends bewusst darüber, dass auch er davon betroffen sein könnte. Wäre er sich dessen bewusst, dann würde er von heute auf morgen mit dem Rauchen aufhören können. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Wissen und Verstehen und dem Bewusstsein für etwas.

Von Bewusstsein können wir auch dann sprechen, wenn wir mit unserem Bauchgefühl verstehen, was der Kopf schon seit langem weiß. In diesem Fall integrieren wir das Wissen in das eigene System. Es kommt tief in uns an.

Selbst-Bewusstsein bedeutet Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen

Somit wird Bewusstsein dann auch zur Verpflichtung und zur Verantwortung, weil wir in dem Moment, in welchem wir das Wissen über etwas vollkommen integriert haben, nicht mehr so leben können, wie es uns einfach gerade „gefällt“.

Selbst-Bewusstsein bedeutet Veränderung

Bist du dazu bereit, die Konsequenzen deiner Bewusstheit zu tragen?

Wenn wir in der Bewusstheit eine falsche Idee erkennen und aufgeben, zum Beispiel die Idee, dass Rauchen dich entspannt oder der Partner an deiner Seite der richtige für dich ist, obwohl du in deiner Beziehung schon seit langem unglücklich bist, kann dies dazu führen, dass sich dein Leben radikal ändert.

Wir haben die Wahl! Wir können uns für oder gegen Bewusstsein entscheiden!

Wie bin ich wirklich, was sind meine wirklichen Bedürfnisse? Kannst du diesbezüglich vollkommen ehrlich zu dir sein?

Ein gutes Selbstbewusstsein hat nämlich nichts mit Überheblichkeit zu tun. Es bedeutet lediglich, dass wir uns bewusst sind, was wir zum Beispiel können oder wo wir uns unsicher fühlen, was wir empfinden und wie sich unser Körper anfühlt.

Vielleicht kennst du Menschen, die prahlend den Raum betreten, ihr neuestes Handy auf den Tisch legen, dazu den Autoschlüssel ihres Porsches und dann der anwesenden Gesellschaft von ihrem tollen Leben erzählen und was sie alles gemeistert haben: mein Haus, mein Pferd, meine Pferdepflegerin! Mit einem guten Selbstbewusstsein hat dies nichts zu tun!

Selbst-Bewusstwerdung braucht Langsamkeit

Lies langsam weiter 😊

Bewusst-sein bedeutet, dass man zwischen einer Tatsache und dem, was man darüber denkt und empfindet, unterscheiden kann. Das braucht Zeit. Wie viel Interpretation steckt in einer Situation, die ich erlebe? Ist es wirklich wahr, was ich da denke? Und woher weiß ich, dass es wahr ist?

Auch um sich einer Emotion bewusst zu werden, benötigt es Zeit. Zeit und Stille, um in sich hinein zu lauschen und zu beobachten.

Und manchmal braucht Langsamkeit auch etwas Mut. Vor allem dann, wenn es schnell gehen muss. Wenn wir meinen, bei etwas nicht mehr viel Zeit zu haben oder ungeduldig sind, weil etwas nicht vorwärts geht.

Den Mut sich zur Langsamkeit zu entscheiden, wenn der Arzt einem beispielsweise eine schlimme Diagnose präsentiert.

Unser Zeitgeist ist schnelllebig. Magst du vielleicht mal innehalten?

Während wir früher zwei bis drei Telefonate pro Tag geführt und die Stunden zwischen 13 und 15 Uhr noch als Mittagspause gezählt haben – der Rasenmäher durfte in dieser Zeit nicht betätigt werden – können wir heute die Anzahl unserer Kommunikationen kaum mehr erfassen. Wo gibt es Pausen in unserem Alltagswahnsinn, die wir dafür nutzen können, uns zu spüren?

Sich mal eben schnell seines Körpers bewusst zu werden, funktioniert nicht. Bewusstsein braucht einen Moment der Ruhe, in dem du dich wahrnehmen kannst.

Und trotzdem können diese Momente zwischendurch einen Platz in unserem Alltag finden. Es braucht lediglich eine Entscheidung hierzu.

Ohne Selbstvertrauen kein Selbstbewusstsein

Ein weiterer wichtiger Baustein, wenn es um die realistische Beurteilung einer Situation geht, ist das Selbstvertrauen.

Wir müssen dem, was wir intuitiv wahrnehmen, vertrauen können.

Nehmen wir das Beispiel einer Mutter, die gerade Sorgen hat. Vielleicht plagen sie Probleme in ihrer Partnerschaft oder die Angst, ihren Job zu verlieren. Ihr Kind sieht ihren besorgten Gesichtsausdruck und macht sich ebenfalls Sorgen, warum es seiner Mutter schlecht geht. Nun möchten Eltern aber immer das Beste für ihr Kind und es natürlich nicht mit den elterlichen Befürchtungen belasten. Deshalb versteckt die Mutter ihre Sorgenfalten hinter einer Fassade der Gelassenheit. Auf die Frage ihres Kindes, was denn los sei, antwortet sie, dass alles okay ist.

Was nimmt das Kind jetzt wahr? Es fühlt, dass es seiner Mutter schlecht geht. Aber es sieht und erlebt, dass dem wohl nicht so ist. Denn sie sagt ja etwas anderes.

Es hat also gelernt, dass es seiner Wahrnehmung nicht trauen kann!

Häufen sich solche Erlebnisse, entwickeln wir ein mangelndes Selbstvertrauen. Wir trauen dem, was wir wahrnehmen und fühlen nicht mehr.

Dabei ist die Lösung ganz einfach! Natürlich brauchen Eltern ihre Kinder nicht im Detail an ihren Problemen teilhaben zu lassen. Es genügt, diesen zu sagen, dass es einem momentan gerade nicht so gut geht.

Damit können Kinder sehr viel besser umgehen, als wir denken! Und es führt zu einem gesunden Selbstvertrauen.

Belohnt werden die Eltern dann meist noch mit einer Tasse Tee und einem Keks, mit dem ihre Kinder sie umsorgen möchten. Und ganz nebenbei erlernen diese mit Keks und Tee auch noch soziale Kompetenz.

Sich seiner mentalen Ebene bewusst werden

Wir haben noch eine weitere Erfahrung für dich. Bist du bereit?

Was denkst du gerade? Über deinen Körper bist du dir ja jetzt bewusst. Aber woher weißt du, ob dein Geist noch da ist? Was schießt dir so durch den Kopf? Vielleicht der Einkaufszettel, der noch abgearbeitet werden muss? Die Post, die heute unbedingt noch raus muss? Oder die Rechnungen, die dringend überwiesen werden müssen?

Oder denkst du vielleicht über dich nach? Beschäftigt dich gerade ein ganz bestimmtes Thema?

Was auch immer es ist, woran machst du fest, dass es deine Gedanken sind?

Wenn du magst, dann schau einmal, wo deine Gedanken eigentlich herkommen. Aus welcher Richtung kommen sie? Von oben, unten oder von der Seite? Eventuell aus dem Nichts? Und wie viele Gedanken sind dabei, die eigentlich vollkommen belanglos sind?

Beobachte sie und werde dir bewusst, dass da jemand denkt. Wer ist dieser jemand? Und wo befindet er sich? Kannst du eine Stelle in dir benennen, wo dieser jemand ist?

Kannst du dich selbst beobachten?

Stell dir einmal vor, dass du einen Schritt aus dir heraustrittst und nun gut einen Meter hinter dir stehst. Vielleicht magst du auch noch ein paar Meter weitergehen, um dich besser im Ganzen sehen zu können. Kannst du dich nun beobachten? Auf dich selbst drauf schauen? Wenn dir das gelingt, dann kannst du auch einmal die Position verändern und dich auch mal von der Seite, von vorne oder von oben betrachten.

Und wer beobachtet den Beobachter 😊?

Wenn du genug davon hast, dann komm wieder zurück in deinen Körper.

Zu jedem Thema oder Problem haben wir eine Emotion, eine Körperempfindung und einen ganz bestimmten Gedanken.

Jetzt, wo du eine Weile deine Gedanken beobachtet hast – könntest du dir gestatten, dich von ihnen zu lösen? Vielleicht nur mal einen kleinen Augenblick? Wärst du bereit dazu?

Bewusstsein bedeutet auch „das Bedürfnis zu haben, etwas über uns zu wissen – und zwar ganz genau! Dazu brauchen wir einen aktiven Verstand, mit dem wir uns dafür entscheiden können, mehr Wissen über etwas zu bekommen.

Und Bewusstsein bedeutet, vollkommen im Augenblick zu sein. Das zu tun, was man tut, während man es tut!

Blockierte Emotionen haben Einfluss auf unser Bewusstsein

Warum ist das mit dem Bewusstsein so kompliziert? Um in allen Bereichen unseres Lebens Bewusstsein zu erlangen, braucht es Mut.

Denn es sind die Emotionen, die uns davon abhalten, auf die Bereiche unseres Lebens zu schauen, die sich nach unserer Bewertung nicht gut anfühlen. Und vor denen fürchten wir uns! Wir glauben, diese Emotionen nicht aushalten zu können oder haben tatsächlich bereits einmal erlebt, einer Emotion ausgeliefert gewesen zu sein. Haben wir vor etwas Angst – beispielsweise Prüfungsangst – dann fühlen wir uns bereits im Vorfeld einer Prüfung dermaßen ohnmächtig, dass wir zu dieser gar nicht erst hingehen wollen.

Anstatt uns jetzt mutig mit den dahinterliegenden Empfindungen und Emotionen zu beschäftigen, lassen wir das mit der Prüfung vielleicht gleich vollkommen bleiben. Stattdessen reden wir uns ein, dass wir das eh nicht können – und sofort sinkt unser Selbstwert. Dabei ist so eine Prüfung im Grunde genommen total harmlos. Eine unechte Gefahr! Unsere Amygdala übertreibt maßlos! Die Amygdala – auch als Mandelkern bezeichnet – ist eine Stelle in unserem Zwischenhirn, mit der wir in Sekundenschnelle beurteilen, ob eine Situation im Außen für uns gefährlich ist.

Realität und Illusion

Lebst du zum Beispiel in einem Land, wo es giftige Schlangen gibt und du bist gerade in der Dämmerung unterwegs, dann sorgt deine Amygdala dafür, dass du dich auch dann erschreckst und in Sicherheit bringst, wenn auf dem vor dir liegenden Weg ein Stock liegt. Es könnte ja auch eine giftige Schlange sein. Aber eine Prüfung ist weder giftig, noch gefährlich. Unser Gehirn beurteilt sie vollkommen zu Unrecht als Gefahr.

Betrachten wir eine derartige Situation einmal bildlich. Bei einer Prüfung sitzen ein paar Leute in Anzügen an Schreibtischen. Wir betreten den Raum, stellen uns vor und bekommen ein paar Fragen gestellt, die wir dann entweder beantworten können oder nicht. Lohnt es sich wirklich, deswegen in Ohnmacht fallen?

Das Problem ist nicht die Prüfungssituation, sondern wie wir dabei empfinden. Es ist die Angst vor der Angst – nicht die Angst vor dem Prüfungsausschuss. Und unser Kopf macht einen Versager aus uns.

Häufen sich derartige Denk- und Empfinfungsmuster in unserem Leben, haben, wir einen schlechten Selbstwert. Wir fühlen uns minderwertig.

Verlieren wir unseren Job oder trennt sich der Partner von uns – dann fürchten wir uns nicht vor der Zukunft nach diesem Ereignis, sondern davor, wie es sich anfühlt, kein Geld mehr zu haben oder allein zu sein. Wir haben Angst, zu empfinden.

Was geschieht mit unseren blockierten und unterdrückten Emotionen?

Alles, was wir empfinden, jedoch nicht zum Ausdruck bringen, wird in unserer Muskulatur gespeichert. Sie verhärtet.

Wir haben drei Kontrolleure in unserem Körper. Den Mundboden, das Zwerchfell und den Beckenboden. Sprechen wir etwas nicht aus, was uns wirklich auf dem Herzen liegt, oder worüber wir uns ärgern, verspannt der Mundboden. Dass am Mund auch noch ein ganzer Kopf samt Hals dranhängt muss nicht erwähnt werden. Die angrenzenden Strukturen verspannen natürlich mit. Unbewegliche Halsmuskeln und verspannte Gesichtsmuskel können die Folgen sein, wenn solche Situationen immer wieder und wieder geschehen.

Geben wir unserer Trauer und Wut keinen Ausdruck, dann empfinden wir das meist in unserem Brustkorb. Das Zwerchfell, als größter Muskel in unserem Körper, spannt sich an, zieht sich zusammen und verhärtet schlimmstenfalls. Wir können dann nicht mehr richtig durchatmen, sondern atmen nur noch kurz und flach und verschaffen uns allenfalls durch tiefes Seufzen ein wenig Erleichterung.

Weiter unten kontrolliert unser Beckenboden unsere Gefühle. Aggressionen und nicht gelebte Sexualität (aus welchen Gründen auch immer) führen zu Verspannungen in dieser Körperregion. Auch hier hängt natürlich der gesamte Mensch mit dran. Das heißt, lokale Verspannungen haben auch immer Verspannungen in anderen Körperbereichen zur Folge.

Dieser Muskelpanzer, bestehend aus unterdrückten Emotionen, lässt oft keine freie Bewegung mehr zu. Unseren Körper von ihm zu befreien, befreit auch ein blockiertes Bewusstsein, steigert die Selbstwahrnehmung und auch unser Selbstbewusstsein.

Möchtest du hierzu ebenfalls eine Erfahrung machen?

Was empfindest du gerade, jetzt in diesem Moment? Bist du gut gelaunt? Oder vielleicht etwas traurig? Fühlst du Freude, Liebe, Angst, Ärger oder irgendetwas anderes?

Spür dich mal!

Wo ist diese Empfindung in dir. Kannst du mit dem Finger auf die Körperstelle zeigen, wo es sich befindet?

Hat es eine Form, eine Farbe oder irgendeine Gestalt? Vielleicht ist es nur eine leise Empfindung, vielleicht aber auch eine schwere. Ein so massives, dass du schlecht durchatmen kannst. Eventuell begleitet dich diese Empfindung auch schon länger. Schon so lange, dass du gar nicht mehr weißt, wie es ist, wenn es weg wäre.

Wenn du die Stellen gefunden hast, der du eine Emotion zuordnen kannst, dann geh einmal mit deiner Aufmerksamt dorthin. Was ist nötig, damit du die verspannte Muskulatur lösen kannst? Wo in deinem Körper kannst du Spannung an den Boden abgeben?

Wenn wir zu lange in einer emotionalen Situation gefangen waren, dann sind unsere Muskeln meist so verspannt, dass wir sie nicht mehr so einfach lösen können. Dann ist es mitunter hilfreich, einen Körpertherapeuten aufzusuchen, der uns hilft, die Verspannung zu lösen und unsere Emotionen damit zu lösen.

Am besten wäre natürlich, wir würden es gar nicht erst so weit kommen lassen!

Vielleicht magst du dich einmal im Alltag beobachten. Wo im Körper verspannst du dich als Erstes, wenn du in eine emotionale Situation kommst?

Nehmen wir einmal an, du bist gerade auf der Arbeit und dein Chef bittet dich unerwartet in sein Büro. Blitzschnell schießen dir irgendwelche Gedanken und Emotionen durch Kopf und Körper. Wo im Körper verspannst du dich? Vielleicht hältst du den Atem an, deine Körpermitte zieht sich zusammen. Oder du ziehst die Schultern hoch und dein Nacken verkrampft?

Nimm dir einen Augenblick Zeit, dies wahrzunehmen, denn wie gesagt

Selbst-Bewusstsein braucht Langsamkeit!

Und wenn du die Stellen lokalisiert hast, dann lass sie einfach wieder los. Nimm die Schultern wieder runter, atme ein paar Mal tief durch und betrete erst dann das Büro deines Vorgesetzten.

Vielleicht wartet er ja auch mit einer Gehaltserhöhung auf dich 😊!

Bist du dir deiner Emotionen nun bewusst?

Selbst-bewusst-sein. Du hast gerade erfahren, wie es ist, sich selbst zu spüren. Du bist wach, was deinen Körper, deinen Geist und deine Empfindungen betrifft. Und damit bewusst!

Genau das ist Selbstbewusstsein.

Die Psychologie spricht oft von einem gesunden Selbstbewusstsein.

Kann Selbstbewusstsein überhaupt gesund, beziehungsweise krank sein?

Bedeutet es doch nichts anderes, als sich seiner selbst bewusst zu sein.

Was hier gemeint ist, ist weniger das Selbstbewusstsein, sondern vielmehr der Selbstwert und die Selbstliebe.

„Ich habe nichts gegen das, was geschieht.“

(Jiddu Krishnarmurti)

Selbstakzeptanz als Grundlage des Selbst-Bewusstseins

Kommen wir jetzt zu etwas Wesentlichem. Der Grundlage von allem: die Selbstakzeptanz.

Du hast eben drei Erfahrungen gemacht. Du bist dir deines Körpers, deiner Seele und deines Geistes bewusst geworden. Was hast du dabei wahrgenommen?

Hattest du vielleicht Schmerzen irgendwo in deinem Körper, blöde, destruktive Gedanken und dazu möglicherweise noch eine mulmige Empfindung, die du irgendwo entdeckt hast?

Kannst du diese Erkenntnisse über dich einfach so stehen lassen?

Kannst du sie akzeptieren? So, wie es gerade ist? Oder denkst du: „Mist, daran müsste ich aber dringend einmal etwas ändern!“?

Selbstakzeptanz bedeutet, dass die Dinge so in Ordnung sind, wie sie gerade sind. Jetzt – nicht morgen, übermorgen oder in einem halben Jahr. Oder erst, wenn ich dieses oder jenes überwunden, gelernt oder mir erarbeitet habe.

Die meisten von uns meinen jedoch, dass sie mit Selbstakzeptanz etwas gutheißen würden, das sie subjektiv als nicht in Ordnung befinden. Dass sie etwas gut finden sollen, das mit ihnen nicht stimmt.

Nein – so ist Selbstakzeptanz nicht gemeint!

Selbstakzeptanz bedeutet, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Es ist wie es ist! So und nicht anders. Punkt. Du hast Angst vor vielen Leuten zu sprechen? Dann ist das so! Du hast chronische Schmerzen, die sich durch nichts, aber auch gar nichts beeinflussen lassen –

dann ist das so!

…dann ist das so!

Im Jahr 2011 erlebte Norwegen einen wahrgewordenen Albtraum. Am 22.Juli 2011 lief in Utoya ein psychisch kranker Mann Amok und erschoss auf einer Ferieninsel 80 junge Menschen, die dort ihre Sommerferien verbringen wollten.

Einige Jahre später interviewte man Überlebende. Darunter auch eine junge Frau, die zum Zeitpunkt des Attentates 16 Jahre alt war und durch sechs Schüsse schwer verletzt wurde. Stark blutend, aber noch bei Bewusstsein, lag sie am Strand der Insel. Das Beeindruckende im späteren Interview mit ihr war die folgende Aussage: „Und ich konnte sehen, wie ich verblutete, ich wusste, ich sterbe gleich und es war okay!“

Es war okay! Puh – eine heftige Aussage in einer unvorstellbaren Lebenslage. Zwar können wir die Antwort der jungen Frau mit unserem Verstand kaum nachvollziehen, mithilfe der Akzeptanz jedoch vielleicht nachempfinden.

Sie hat der Wahrheit ins Auge gesehen, war sich ihrer selbst bewusst und hat die Situation angenommen. Kurz darauf kamen Rettungskräfte und brachten sie ins Krankenhaus.

„Gott, gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann.

Gott, gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


(Reinhold Niebuhr)

Was passiert, wenn ich zu einer Situation ständig nein sage?

Sind wir beispielsweise aus Angst heraus motiviert, etwas gegen eine Situation zu unternehmen, dann nähren wir sie. Dadurch machen das, was wir eigentlich nicht haben möchten, immer stärker. Bevor wir uns von einem Problem lösen können, braucht es zuvor unsere Annahme.

Du kannst einen Kugelschreiber nicht loslassen, ohne ihn zuvor in die Hand genommen zu haben.

Was hindert uns an der Selbstakzeptanz?

Es ist der Widerstand gegen das, was ist. Der Widerstand dagegen, welche Emotionen dazu hoch kommen. Wir wollen das Problem weghaben.

Hier kann man sich die Sedona-Methode zunutze machen und die folgenden Fragen stellen: Könntest du den Widerstand, es anders haben zu wollen, für einen Augenblick loslassen? Könntest du dir das gestatten? Und wärst du bereit dazu?

Wir laden dich zu einer letzten Übung ein.

Such dir einmal ein Problem aus, welches dich derzeit beschäftigt. Nimm vielleicht nicht gerade das schwerste Problem, sondern erst einmal ein etwas Leichteres.

Was denkst du über dieses Problem? Wie formulierst du deine Gedanken dazu? Und wo ist dieser Gedanke dazu räumlich gesehen, auf deinen Körper bezogen?

Kannst du einfach nur beobachten? Kannst du dich von ihm lösen? Würdest du dich denn lösen, wenn du könntest?

Wenn nicht, kannst du ihn einfach da sein lassen? Ihn annehmen?

Zu diesem Gedanken gehört auch eine Empfindung. Wo ist diese gerade? Wo kannst du sie in deinem Körper wahrnehmen? Kannst du die Stelle mit deiner Hand berühren?

Löse dich einmal von ihr! Gelingt dir dies? Wenn nicht, darf die Emotion oder Empfindung dort bleiben?

Jetzt kommen wir zu deinem Körper. Was spürst du in deinem Körper, wenn du deine Emotion wahrnimmst? Was empfindest du körperlich? Bist du an einer Stelle verspannt? Ziehst du vielleicht deine Schultern hoch, deinen Nacken zusammen oder deinen Bauch ein? Kannst du diese Verspannung lösen? Würdest du sie lösen, wenn du könntest? Wenn nicht, kannst du sie annehmen?

Wie ist es jetzt? Ist hier und da etwas von der Schwere abgefallen? Hat sich die eine oder andere Verspannung etwas gelöst?

Und wenn nichts von alledem passiert ist – kannst du das einfach so stehen lassen, so annehmen?

Ein Problem zu lösen heißt oftmals auch, sich vom Problem zu lösen!

Vom Selbst-Bewusstsein, dem Selbst-Wert und der Selbst-Liebe

Wir denken, dass wir immer etwas Bestimmtes tun müssen. Dass wir etwas Bestimmtes sein oder bekommen müssen. Erst wenn wir viel erreicht haben, etwas Tolles können, eine Aufgabe gemeistert haben, genug Geld verdienen u. s. w., sind wir wertvoll.

Ist ein Firmenchef, dessen Firma mehreren Tausend Menschen Arbeit gibt, jedoch tatsächlich mehr wert, als jemand, der gerade arbeitslos und krank zuhause auf dem Sofa liegt?

Und dann gibt es da noch das heikle Thema der Organtransplantation. Wer bekommt die heißbegehrten Organe? Wer entscheidet darüber? Bekommt sie ein junger Mensch, mit Mitte zwanzig, der sein Leben noch vor sich hat? Oder ein 75jähriger, der sein Leben bereits gelebt hat? Wer ist mehr wert? Der junge Mensch kann in seinem Leben noch viel bewirken, aber der ältere hat vielleicht die Verantwortung für die Mitarbeiter eines großen Unternehmens, an dem Tausende von Familien hängen. Wessen Leben ist mehr wert?

Wann fühlen wir uns wertvoll? Dann, wenn wir etwas Gutes tun, wenn wir erfolgreich sind, wenn wir geliebt und gebraucht werden.

Ist dies jedoch wirklich Selbstwert? All diese Dinge werden uns von anderen gesagt oder gezeigt. Unsere Eltern, unser Partner, Lehrer oder Chef sagen: Das hast du gut gemacht! Ich liebe dich. Oder gratulieren dir zu deinem Erfolg bzw. loben dich für eine gute Note. All dies sind positive Bewertungen von außen. Mit Selbstwert hat das nichts zu tun, es ist ein Fremdwert!

Wir werden von außen begutachtet und bewertet und bemessen daran dann unseren eigenen Wert. Dies hat mit Selbstwert nichts zu tun.

Dein Selbstwert ist ein Gefühl

Und diese Empfindung gibt dir Aufschluss darüber, ob du dich für wertvoll hältst, oder nicht. Wenn du über deinen Wert nachdenkst, was empfindest du dann?

Leider bemessen wir den Wert unseres Selbst oftmals an unseren Leistungen. Dies fängt bereits in der frühen Kindheit hat. Wenn Kinder nur für ihre Leistungen gelobt und mit Liebe überschüttet werden, dann bekommen sie sehr schnell ein Gespür dafür, immer etwas tun oder lassen zu müssen, um geliebt zu werden und etwas wert zu sein.

Der Selbstwert ist eine Empfindung, welche du von dir hast.

Und diese Empfindung ist ausschlaggebend für deine Realitätsgestaltung. Nimmst du dich innerlich als wertvoll wahr – oder reich – dann wirst du auch im Außen Reichtum erfahren. Du ziehst ihn quasi an. Nimmst du dich innerlich als wertlos – oder arm wahr – dann beeinflusst dies ebenfalls deine Realität.

Würde man alles Geld der Welt gleichmäßig unter allen Menschen weltweit aufteilen, wären nach einem halben Jahr die Armen wieder arm und das meiste Geld wieder bei den Reichen.

Unser Selbstwert bestimmt, wie wir empfinden. Und wie wir empfinden, bestimmt das, was wir ins Leben ziehen.

Was dein Selbstwert bestimmt

Das Selbstwertgefühl bestimmt, auf welche Menschen wir uns einlassen und was du in deinem Leben glaubst, erreichen zu können. Es bestimmt, wie wir in Beziehung zu anderen treten und ob wir unsere Berufung finden.

Wenn wir zum Beispiel ein Projekt nicht fertig bekommen, unsere Vorhaben immer auf die lange Bank schieben, einfach nicht in die Gänge kommen, sich Kinder in der Schule von allem ablenken lassen, wir Konflikte scheuen, von ungesunden Beziehungen nicht loskommen und unsere Bedürfnisse einfach nicht erfüllt werden – so hat all dies mit einem mangelnden Selbstwertgefühl zu tun!

Das Selbstwertgefühl bestimmt, was du dir in deinem Leben zutraust, welche Fähigkeiten du zu haben glaubst. Wie du dich selber siehst!

Das Verleugnen deiner außergewöhnlichen Eigenschaften und Fähigkeiten ist dabei ebenso schädlich für dich, wie die ständige Aufzählung aller blockierenden Eigenschaften.

Was dein Selbstwert entscheidet

Das Selbstwertgefühl entscheidet darüber, ob du dich dem Leben gewachsen oder unfähig fühlst. Darüber, was wir uns zutrauen und auch darüber, was wir zulassen können.

Es ist das Vertrauen in dich selbst.

Kommen wir noch einmal auf das Beispiel mit der Prüfungsangst zurück. Aus einer derartigen Angst kann ein Teufelskreis entstehen. Vielleicht bist du aus Angst vor einer Prüfung so blockiert, dass du tatsächlich durchfällst. Daraufhin sagst du dir, dass du das alles ja ohnehin nicht kannst. Dies senkt wiederum deinen Selbstwert. Eine schlechte Voraussetzung für weitere Prüfungen.

Diesen Teufelskreis kann man durchbrechen!

Wie du deine Fähigkeiten beurteilst hat nicht unbedingt etwas mit der Realität zu tun. Alle Versagensängste entstammen fundamentalen Zweifeln an deinem Selbstwert. Und die Quelle für diese Zweifel liegt in dir!

Die emotionalen Themen, die sich dahinter verbergen, zu lösen, ist ein wirksamer Ansatz.

Selbstliebe

Kommen wir nun zur Königsdisziplin in diesem Leben: der Selbstliebe.

Und damit zum schwierigsten Teil. Denn wir lernen bereits in frühester Kindheit von unserem Umfeld, dass wir nur dann geliebt werden, wenn wir bestimmten Wert- und Moralvorstellungen entsprechen und uns entsprechend verhalten.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Betrachten wir die derzeitige Weltlage, scheint es um unsere Selbstliebe nicht sehr gut bestellt zu sein. Wenn wir uns selbst lieben würden, sähe die politische Weltlage anders aus.

Was ist mit Selbstliebe gemeint?

Wenn wir einen anderen Menschen lieben, wie tun wir dies?

Wenn aus Verliebtsein Liebe entsteht, dann lieben wir den anderen in seiner Gesamtheit. Alles, was zu ihm gehört. Dies bedeutet nicht, dass wir alles am anderen für gut befinden. Die berühmte offene Zahnpastatube darf auch weiterhin Stein des Anstoßes bleiben. Aber sie ändert nichts an dem Gesamtgefühl für den geliebten Menschen.

Wenn wir als Baby auf die Welt kommen, dann stehen Eltern, Oma, Opa und sämtliche Tanten und Onkel staunend vor dem neuen Erdenbürger. Noch haben wir nichts getan, erreicht oder legen irgendeine besondere Eigenschaft an den Tag. Wir sind einfach nur da und werden für dieses Dasein geliebt.

Wie ist das aber bei uns selbst? Wenn es um die Liebe für unser Dasein geht? Kannst du dich selbst ebenfalls in deiner Gesamtheit lieben?

Selbstliebe beginnt mit Selbstakzeptanz. Die Annahme all unserer Gedanken, Empfindungen und unseres Körpers.

Sich selbst der wichtigste Mensch zu sein, sich selbst der beste Freund zu sein. All dies ist leichter gesagt, als getan.

Auch Abgrenzung ist Liebe zu sich selbst. Dazu muss man sich und seine Grenzen jedoch erst einmal kennenlernen.

Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstakzeptanz und Selbstwert – die Auseinandersetzung mit diesen vier Säulen bildet die Voraussetzung dafür, sich selbst auch wirklich lieben zu können.

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